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Das solltest du beim Praktikum beachten

In den letzten Jahren hat sich bei der Bewertung und auch bei den Angeboten an Praktikumsplätzen einiges verändert. Neben den vielen Regularien hinsichtlich der Steuer, Rentenversicherung und Krankenversicherung spielt auch der Mindestlohn bei Praktikanten eine wichtige Rolle. Dementsprechend solltest du dich im Idealfall früh genug informieren, um für dein Praktikum gerüstet zu sein.

    Versicherung

    Kranken- und Sozialversicherung

    Ob und in welchem Maße du während des Praktikums deine Krankenversicherung selber übernehmen musst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In der Regel bist du bis zur Vollendung deines 25. Lebensjahres über deine Eltern familienversichert und kannst dies auch während deines Pflichtpraktikums bleiben.

    Bist du älter als 25 Jahre oder verdienst während deines Praktikums über 450 Euro, endet der Anspruch auf Familienversicherung und du musst den Beitrag zur studentischen Krankenversicherung selbst tragen (ab Wintersemester 2016/2017: ca. 70 € plus Pflegeversicherung ca. 16 €). Unabhängig von  deiner Wochenarbeitszeit und deinem Verdienst musst du jedoch weder in die Rentenversicherung noch in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. 

    Was du bei der Versicherung beachten solltest

    © eyewave - Fotolia.com

    Wie steht es mit der Versicherungspflicht bei freiwilligen Praktika?

    Anders sieht es allerdings bei freiwilligen Praktika aus, denn nur bei unentgeltlichen, freiwilligen Praktika besteht keine Sozialversicherungspflicht. Bei einem Verdienst bis zu 450 € (geringfügige Beschäftigung) besteht grundsätzlich Rentenversicherungspflicht, von der du dich jedoch befreien lassen kannst. Wenn du mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitest bzw. ab einem Verdienst zwischen 450 und 850 Euro tritt Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ein. Zwar trägst du dann nur 50 Prozent der Kosten, doch dies kann sich auf dem Lohnzettel deutlich bemerkbar machen. 

    Vergütung

    Der Mindestlohn für Praktikanten

    Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns am 1.1.2015 in Höhe von 8,50 € pro Stunde hat sich auch für einen Großteil der Praktikanten einiges geändert. Unternehmen sind nun verpflichtet, ihren Praktikanten den Mindestlohn zu zahlen und somit für eine Existenzsicherung zu sorgen. Was sich zunächst nach einem echten Vorteil für dich anhört, kann jedoch zu erheblichen Schwierigkeiten führen. Denn viele Unternehmen haben nach der Ankündigung dieser Gesetzesnovelle ihr Engagement im Praktikantenbereich merklich zurückgefahren und die Zahl der verfügbaren Praktikumsstellen drastisch reduziert. Kombinierst du das mit der steigenden Anzahl an Studenten, kann dies zu echten Engpässen an verfügbaren Praktikumsstellen führen.

    Ausnahmen vom Mindestlohn

    Allerdings gibt es auch in diesem Bereich Ausnahmen. Zum einen sind Pflichtpraktika nicht an den Mindestlohn gebunden. Der Arbeitgeber darf dir in dieser Zeit also den Lohn zahlen, den er für passend und richtig hält. Dies gilt dabei auch für Vorpraktika, welche ebenfalls als Pflichtpraktika gelten.

    Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Ausnahme. Denn Praktika bis zu einer Dauer von drei Monaten sind ebenfalls von der Regelung ausgenommen. Im Regelfall wirst du also zumeist nur noch Stellen für Praktika finden, welche auf diese Dauer begrenzt sind. Dies gilt allerdings nicht für ein Praktikum im Rahmen der Abschlussarbeit. Dies sind keine Pflichtpraktika und umfassen in der Regel deutlich längere Zeiträume als drei Monate.

    Mehr dazu findest du hier

    Was du im Praktikum verdienst

    © contrastwerkstatt - Fotolia.com

    ...und was passiert mit meinem BAföG?

    Wenn du BAföG beziehst, so ändert sich durch ein Praktikum einiges bei dir. Wie bei einem Einkommen durch eine Erwerbstätigkeit wird die Entlohnung des Praktikums auf deinen BAföG-Anspruch angerechnet. Im Gegensatz zur reinen Erwerbstätigkeit gibt es allerdings keine Freibeträge, sodass dein gesamter Gewinn einberechnet werden muss. Allerdings kann ein Praktikum, egal ob verpflichtend oder freiwillig, nicht deinen Anspruch auf BAföG generell negieren. 


    Vertrag, Zeugnis & Co.

    Der Praktikumsvertrag

    Auch wenn es nicht notwendig ist, so solltest du immer auf einen schriftlichen Praktikumsvertrag bestehen. Dieser sorgt zum einen für die notwendige Rechtssicherheit, schon aus Gründen der Versicherung: Arbeitgeber kommen für die Unfallversicherung der Praktikantinnen und Praktikanten auf. Gleichzeitig zeigt er dir deine Arbeitsbereiche auf: Wo wirst du eingesetzt? Was ist das Ausbildungsziel? Außerdem sollte der Vertrag Angaben über Dauer und Arbeitszeiten, Urlaub und Vergütung enthalten. 

    Zeugnis, Urlaub & Co.

    Bei allen weiteren Formalitäten hängt viel davon ab, ob du ein Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum absolvierst. Bei einem freiwilligen Praktikum wirst du eher als Arbeitnehmer geführt und übernimmst in Teilen deren Rechte und Pflichten. So kannst du ein qualifiziertes Zeugnis für deine Leistung erwarten, das Angaben über Art, Dauer, Tätigkeiten und Ziel des Praktikums sowie über die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse beinhaltet.

    Urlaubsanspruch im Praktikum

    © blende11.photo - Fotolia.com

    Außerdem kannst du Urlaubsansprüche geltend machen und gegebenenfalls zu Überstunden aufgefordert werden. Wie bei normalen Arbeitnehmern darf die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Monaten durchschnittlich acht Stunden nicht überschritten werden. Bei einer Arbeitszeit von sechs bis neun Stunden darf mindestens eine halbe Stunde Pause gemacht werden. 

    Bei einem Pflichtpraktikum ist dies nicht der Fall. Hier dient das Praktikum ausschließlich der Ausbildung und wird dementsprechend behandelt.

    Zeugnis - Der Entschlüsselungscode

    Die Tücken des Praktikumszeugnisses

    "Frau Müller, die bei uns als Marketing-Assistentin arbeitete, war eine zuverlässige Mitarbeiterin, die sich mit großem Eifer an die Aufgabe herangemacht hat und erfolgreich war."

    Du liest diesen Satz in deinem Praktikumszeugnis und denkst, er klingt gut? Du bist zufrieden damit und denkst, dass besseres Lob nicht mehr möglich sei? - Falls das der Fall ist, kennst du den Geheimcode der Zeugnissprache noch nicht.

    Die tatsächliche Übersetzung des Satzes lautet nämlich wie folgt: Frau Müller war zwar immer zur Stelle, wenn man ihre Unterstützung benötigte, aber nicht immer zu gebrauchen. Oder, um es deutlicher zu sagen - ihre Leistungen waren mangelhaft.

    "Herr Meyer trug sehr zur Verbesserung des Betriebsklimas bei." - Du bist der Meinung, dass Herr Meyer ein netter Mitarbeiter war? Nein, es heißt nichts anderes, als dass Herr Meyer gerne mal tief ins Glas schaute.

    Einen Menschen öffentlich als Versager zu bezeichnen, gilt allgemein als unhöflich. So etwas auch noch in ein Arbeitszeugnis zu schreiben, ist sogar verboten. Aus diesem Grund werden in Arbeitszeugnissen stets nette Formulierungen verwendet, um die Arbeitsleistung und das Sozialverhalten zu beschreiben. Einige dieser Formulierungen sind wirklich positiv gemeint, andere wiederum können versteckte negative Botschaften übermitteln.

    Als Praktikant hast du ein Recht auf ein "wohlwollendes" Zeugnis, in dem deine Leistungen mindestens mit "befriedigend" bewertet werden. Ein schlechtes Zeugnis könnte dir schließlich die Chancen auf einen Arbeitsplatz oder einen anderen Praktikumsplatz verbauen. Arbeitgeber haben deshalb eine "Geheimsprache" entwickelt, mit der sie Kritik höflich ausdrücken.

    Das Praktikumszeugnis richtig deuten

    © Marco2811 - Fotolia.com

    Die gängigsten Formulierungen und ihre Bedeutung

    Sie war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen. 
     = Eine unangenehme Mitarbeiterin, der es an Kooperationsbereitschaft mangelt.

    Mit seinen Vorgesetzten ist er gut zurechtgekommen.  
    = Ein Mitläufer und Ja-Sager, der sich gut verkaufen kann.

    Sie verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen. 
     = Überspielt mit Arroganz ihr mangelndes Fachwissen.

    Er verstand es, alle Aufgaben mit Erfolg zu delegieren. 
    = Er drückte sich vor der Arbeit.

    Sie war ihren Mitarbeitern jederzeit eine verständnisvolle Vorgesetzte. 
     = Sie besaß keine Durchsetzungsstärke und wurde nicht respektiert.

    Er hat alle Aufgaben in seinem und im Firmeninteresse gelöst. 
     = Er hat Firmeneigentum gestohlen.

    Ihre umfangreiche Bildung machte sie zu einer gesuchten Gesprächspartnerin. 
     = Sie führte lange Privatgespräche.

    Die ihm gemäßen Aufgaben... 
     = Die anspruchslosen Aufgaben...

    Sie war mit Interesse bei der Sache 
     = aber ohne Erfolg.

    Wegen seiner Pünktlichkeit war er stets ein gutes Beispiel. 
     = aber nicht wegen seiner Leistung. 

    Eine umfangreiche Geheimcode-Liste findest du hier.

    Was auf keinen Fall in deinem Zeugnis fehlen darf

    Neben deinem Namen, Geburtstag und Geburtsort, gehören auch eine Tätigkeitsbeschreibung sowie eine Gesamtnote dazu. Bei einem Arbeitszeugnis ist ebenso ein Schlusssatz mit einer Erklärung, warum das Arbeitsverhältnis beendet wurde, Pflicht.

    Kündigung

    Kündigung deines Praktikums

    Möchtest du ein Praktikum kündigen, musst du dich allerdings grundsätzlich und in beiden Fällen an die im Vertrag vereinbarten Kündigungsfristen halten. Sofern es im Vertrag nicht anders vereinbart ist, gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen zum Monatsende, in der Probezeit zwei Wochen. Einfach wegbleiben, wenn einem das Praktikum nicht gefällt, geht also nicht.

    Infos zur Kündigung deines Praktikums

    © Kautz15 - Fotolia.com

    Wenn es aber wichtige Gründe für die vorzeitige Beendigung des Praktikums gibt oder Arbeitgeber und Arbeitnehmer gar nicht miteinander auskommen, werden Praktikantinnen und Praktikanten nur selten gezwungen, ihre Zeit auszusitzen. Bei einem Pflichtpraktikum sollte eine Kündigung zuvor mit dem Praktikumsamt oder dem Studiensekretariat der Hochschule abgesprochen werden.

    10/2016

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