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Die Risiken und Vorteile der Selbstständigkeit

Für viele ist der Weg in die Selbstständigkeit und die Aussicht der eigene Chef zu sein ein absoluter Traum. Durch das selbstständige Jobben können erste berufliche Erfahrungen gesammelt, die eigene Idee ausgetestet und wichtige Kontakte geknüpft werden. Aber Vorsicht: Besonders bürokratische Hürden können zum Frustfaktor werden und oftmals fehlt jungen Unternehmern und Unternehmerinnen, die notwendige kaufmännische Erfahrung. In unserer Reihe zum Thema Selbstständigkeit informieren wir über die wichtigsten Details und nennen Tipps und Tricks zur Unternehmensgründung.

    Zu Beginn

    Der Weg in die Selbstständigkeit

    Es gibt viele gute Gründe, sich bereits während des Studiums oder direkt danach selbstständig zu machen. Egal ob du als selbstständige/r Grafiker/in arbeiten oder deine eigene Geschäftsidee verwirklichen möchtest, folgende Punkte solltest du immer beachten:

    Selbstständigkeit - Was du beachten solltest

    © ra2 studio - Fotolia.com

     

    • Du bekommst kein regelmäßiges Gehalt, sondern musst Bezahlung und Bedingungen selbst aushandeln und deine Leistungen in Rechnung stellen.
    • Zwar kannst du dir jederzeit Urlaub nehmen, einen Anspruch auf Kündigungsschutz, bezahlten Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hast du jedoch nicht.
    • Je nach Art und Umfang der Selbstständigkeit musst du Gewerbesteuer zahlen.
    • Abhängig davon, ob du haupt- oder nebenberuflich selbstständig sind, musst du dich selbst um Krankenversicherung und Altersvorsorge kümmern.
    • Unter Umständen sind Abgaben an Kammern und Berufsgenossenschaften zu leisten.

    Selbstständig während des Studiums

    Solltest du in Betracht ziehen bereits während des Studiums den Weg in die Selbstständigkeit zu beschreiten, wirst du im Gegensatz zu deinen Kommilitonen mit einer anderen Drucksituation umgehen müssen. Zum einen musst du die Verantwortung für dich selbst (und eventuell andere) tragen, aber auch Aufgaben zuweisen, Verhandlungen führen, das Unternehmen weiterentwickeln oder neue Ziele definieren. Da kann das Studium schon einmal zu kurz kommen. Es ist ganz selbstverständlich, dass das eigene und spannende Projekt interessanter als der Uni-Alltag ist. Dennoch solltest du das Studium nicht komplett aus den Augen verlieren und dich gut organisieren, um das Studium und dein eigenes Projekt unter einen Hut zu bekommen.

    Notwendiges Fachwissen

    Fachwissen als Selbstständiger

    © Rawpixel - Fotolia.com

     

    Egal, ob während des Studiums oder nach deinem Abschluss: Neben einer generellen Belastbarkeit und Disziplin sowie einem gesunden Ehrgeiz und Verantwortungsbewusstsein sind grundlegende betriebswirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Kenntnisse genauso unabdingbar wie Branchenwissen. Inwieweit du dich näher mit den Bereichen auseinandergesetzt haben solltest, hängt natürlich auch von Art und Umfang des Unterfangens ab. Aber ohne ein Grundverständnis in Bereichen der Verwaltung, Kommunikation und strategischen Planung, wird aus deiner Idee nur schwer ein erfolgreiches Unternehmen.

    Wie in vielen Bereichen des Lebens helfen auch hier private Kontakte. Ob Familie, Freunde oder Bekannte, suche dir Leute, die bereits Erfahrungen gesammelt haben oder die dich bei deinem Vorhaben unterstützen können. Zudem lassen sich viele Aspekte der Selbstständigkeit durch Weiterbildungen, Beratungen und Coaching aneignen. Ein vielfältiges Weiterbildungsangebot bieten beispielsweise die undefinedIndustrie- und Handelskammern (IHK) oder die undefinedHandwerkskammern (HWK).

    Typische Stolpersteine

    Nach einer Untersuchung der KfW stehen die meisten Punkte, die ein Unternehmen gefährden können, direkt oder indirekt mit der Gründerperson in Verbindung. Neben den beschriebenen Informationsdefiziten und Qualifikationsmängeln, schätzen viele Gründer bei der Gründungsfinanzierung oftmals ihren kurzfristigen Kapitalbedarf falsch ein. Aber wenn du einen detaillierten Finanzierungs- und Businessplan aufstellst und dir über Kosten und eigene finanzielle Mittel bewusst wirst, lassen sich die Risiken vermeiden.

    Die Geschäftsidee

    Die Geschäftsidee

    Der Erfolg deines Unternehmens steht und fällt mit deiner zündenden Geschäftsidee. Von dieser darfst nicht nur du alleine überzeugt sein. Ziel ist es, andere Menschen davon zu überzeugen. Oftmals liegen diese Ideen in Bereichen, in denen du dich bereits bewegst: Egal ob Hobby, Studium oder Beruf.

    Deine Geschäftsidee

    © Sergey Nivens - Fotolia.com

     

    Existenzgründungsinitiativen und Gründerzentren

    Unterstützung und Hilfe findest du bei sogenannten Existenzgründungsinitiativen und Gründerzentren, die dir bei der Ideenfindung und der Ausarbeitung von Businessplänen und der Unternehmensführung helfen. Neben undefinedGründungsportalen und- initiativen der Bundesländer gibt es zahlreiche Akteure aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft, die dich bei deinem Projekt unterstützen. Auf der Website des undefinedBundesverband Deutscher Innovations, -Technologie- und Gründerzentren findest du umfassende Informationen über Innovations- und Gründerzentren und Unterstützung bei der Unternehmensentwicklung. Eine Auflistung verschiedener Existenzgründungsinitiativen findest du hier: undefinedwww.existenzgruender.de.
    Auch ein Blick auf die jeweilige Internetseite der Stadt kann sich lohnen. Hier stehen oftmals Kontaktadressen und lokale Gründungsinitiativen, die dir ein dichtes Kompetenznetzwerk vermitteln können.

    Weitere kostenlose Beratungs- und Orientierungsangebote für deine Unternehmensgründung findest du undefinedhier in einer Liste aufgeführt. Vorab solltest du dich jedoch gezielt mit deinen jeweiligen Fragen und Problemen auseinandersetzen, um eine kompetente Beratungshilfe zu erhalten.

    Unis bieten Unterstützung

    Insbesondere Universitäten bieten häufig Unterstützung bei der Unternehmensgründung an. Hier bekommst du hilfreiche Ratschläge und oftmals wird dort auch begründete Kritik an deinem Vorhaben geäußert, sodass du dein Projekt noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtest und hinterfragst. Zudem erhältst du in einigen Fällen durch die Beratung das Nutzungsrecht für die bestehende Infrastruktur der Universitäten und Forschungseinrichtungen. Ein Beispiel für ein solches Angebot zur Unternehmensgründung bietet die Humboldt-Universität zu Berlin, die nach eigenen Angaben bereits mehr als 35 erfolgreiche Startups in Berlin begleitet. 

    Der Businessplan

    Businessplan

    Mit einem gut ausgearbeiteten Businessplan kannst du bereits einen der typischen Stolpersteine umgehen: mangelnde Planung. Der Businessplan ist die ausgearbeitete und ausformulierte Zusammenfassung deiner Geschäftsidee, mit der du dein Konzept auf Herz und Nieren prüfen kannst. Du solltest hier die Unternehmensform, Dienstleistung und Branche, den Standort und die relevanten Marketing- und Personalstrategien deines Unternehmens aufzeigen. Eine mögliche Gliederung und Orientierungshilfe findest du undefinedhier.

    Der Businessplan

    © Minerva Studio - Fotolia.com

     

    Der Businessplan dient neben einer Machbarkeitsstudie – du setzt dich kritisch mit deiner Idee auseinander und prüfst diese auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit – als Informationsdokument für potenzielle Investoren, Förderungsinstitute, Banken oder private Eigenkapital- und/oder Darlehensgeber.

    Bei der Darstellung deiner Geschäftsidee solltest du auf allgemeine Ausführungen und unnötige Fachbegriffe verzichten. Stelle in deinem Konzept den besonderen Wert und das Neue an deinem Gründungsvorhaben heraus und mache deutlich, wo der Nutzen deines Produktes, bzw. deiner Dienstleistung liegt. Dazu zählt auch die Vorstellung von Konkurrenz und potenziellen Kunden. Wie unterscheidet sich deine Idee von bereits bestehenden Produkten und Dienstleistungen? An welche Kunden ist dein Angebot gerichtet und wie soll dieses an den Kunden gebracht werden?

    Im Internet findest du zahlreiche kostenlose Businessplanvorlagen, die dir bei der Erstellung helfen. Zudem findest du auch in den Gründerzentren und -initiativen Unterstützung bei der Ausarbeitung deiner Geschäftsidee.

    Zu beachten

    Möglichkeiten und Pflichten

    Je nach Umfang und Art deiner selbstständigen Tätigkeit, bist du verpflichtet ein Gewerbe anzumelden. Unter Gewerbe wird jede selbstständige Tätigkeit verstanden, die du dauerhaft ausübest, um damit Geld zu verdienen - sofern sie nicht zu den sogenannten „freien Berufen“, wie beispielsweise Heilberufe (Ärzte, Heilpraktiker) oder Rechts-, steuer- und wirtschaftsberatende Berufe (Rechtsanwalt, Steuerberater) zählt. Eine auf Dauer ausgeübte gewerbliche Tätigkeit muss bei der jeweiligen Gemeinde angemeldet werden. Bei der Anmeldung – Kosten: 20-50 Euro – werden vom Gewerbeamt alle weiteren Behörden und Institutionen wie Finanzamt oder Handelsregister informiert.

    Selbstständigkeit - Möglichkeiten & Pflichten

    © RRF - Fotolia.com

     

    Studierende können von dieser Auslegung profitieren. Dadurch, dass selbstständige Arbeit nur dann als gewerblich gilt, wenn diese auf Dauer angelegt ist, müssen Studierende, die beispielsweise nur während der Semesterferien Ihren Auftraggebern Rechnungen ausstellen, kein Gewerbe anmelden.

    Folgende Punkte solltest du zudem beachten:

    • Klein- oder Vollgewerbe: Bei einem Jahresumsatz von 17.500 Euro* kannst du ein Kleingewerbe anmelden, wodurch du dir einen enormen Buchführungsaufwand ersparen kannst.
    • Bei einem Einkommen (Jahresgewinn/Umsatz = betriebliche Einnahmen - betriebliche Ausgaben), das höher als der Steuerfreibetrag von 8.130 Euro im Jahr liegt, musst du Einkommenssteuer zahlen.
    • Je nach Branche musst du als gewerblich Selbstständige/r unterschiedliche Umsatzsteuersätze zahlen. Diese Sätze können zwischen 7 und 19 Prozent betragen und müssen auf einer Rechnung gesondert ausgewiesen und später an das Finanzamt abgeführt werden.

    Krankenversicherung

    Als Studierende/r unter 25 Jahre kannst du auch in der Selbstständigkeit familienversichert bleiben. Vorausgesetzt du arbeitest nebenberuflich selbstständig und deine monatlichen Einnahmen überschreiten während der Semesterzeit die Grenze von 395 Euro** nicht regelmäßig.

    Ob du deine Selbstständigkeit haupt- oder nebenberuflich ausübst, hängt davon ab, wie viel Zeit die selbstständige Tätigkeit in Anspruch nimmt und  welche wirtschaftliche Bedeutung diese für dich hat. Das letzte Wort hat immer die Krankenkasse. „Hauptberuflich“ hieße beispielsweise, wenn der Zeitaufwand für die berufliche Tätigkeit deutlich höher wäre als für das Studium.

    Solltest du deine Selbstständigkeit trotz Studium hauptberuflich ausüben, musst du dich bei der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichern oder in eine private Krankenversicherung wechseln. Dies gilt selbstverständlich auch, wenn du dich erst nach dem Studium selbstständig machst. 

    Studierende, die älter als 25 Jahre sind oder die die Einkommensgrenze überschreiten, also nicht mehr unter die Familienversicherung fallen, können sich zu einem günstigen Tarif selbst gesetzlich versichern – allerdings nur, wenn sie nebenberuflich arbeiten.  

    WICHTIG: Informiere dich über die Künstlersozialkasse (KSK). Über die KSK werden selbstständige Künstler und Publizisten gesetzlich renten-, kranken- und pflegeversichert. Es handelt sich um eine Pflichtversicherung. Das heißt, wer die Voraussetzungen für die Aufnahme in die KSK erfüllt, muss sich dort auch versichern. Manche Berufe in der IT-, Medien- und Werbebranche zählen automatisch dazu. Der besondere Pluspunkt der Künstlersozialversicherung ist: Als Versicherte/r der Künstlersozialkasse zahlst du nur den halben Beitrag zur Kranken-, Pflege und Rentenversicherung.

    Rentenversicherung

    Wenn du über die Künstlersozialkasse versichert bist oder bestimmte Tätigkeiten wie Handwerker ausübst, bist du in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. undefinedHier erfährst du, ob für deinen Job eine Pflichtmitgliedschaft in der Rentenversicherung besteht, die dann auch für selbstständige Studierende gilt.

    Zunächst solltest du dich aber darauf konzentrieren dein Projekt auf ein solides Fundament zu stellen. Erst wenn dies geschafft ist, solltest du dich um deine Vorsorge kümmern. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Modelle, über die du dich am besten bei einer fachkundigen Beratung informierest.

    Gründerstipendium

    Gründerstipendium

    © Rawpixel - Fotolia.com

     

    Studierende mit einem BAföG-Anspruch, dürfen im gesamten Bewilligungszeitraum maximal 3.880 Euro*** Gewinn erwirtschaften. Spätestens zum Ende des 4. Fachsemesters musst du mit dem „BAföG-Leistungsnachweis“ deinen Studienstand nachweisen. Dies kollidiert unter Umständen mit den ehrgeizigen Zielen und dem hohen Aufwand, den du in deine Unternehmensgründung gesteckt hast.

    Neben BAföG gibt es mit dem Gründerstipendium eine weitere Möglichkeit an Geld zu gelangen. Das undefinedEXIST-Gründerstipendium unterstützt beispielsweise Studierende und Absolventen, die ihre Gründeridee in einen Businessplan mit bis zu 800 Euro pro Monat umsetzen möchten. Zudem kannst du über private Bankdarlehen, Zuschüsse von der Agentur für Arbeit oder Fördermittel der KfW-Bank dein Vorhaben finanzieren.

    * www.studis-online.de/StudInfo/Studienfinanzierung/selbststaendig-jobben.php

    ** www.studis-online.de/StudInfo/Studienfinanzierung/selbststaendig-jobben.php?seite=2

    *** www.existenzgruender.de/selbstaendigkeit/entscheidung/branchen_zielgruppen/studenten/index.php

    geschrieben von Christian Gora ( 05/2014 )

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