Home » Tipps & Infos » Literaturtipps » Soft Skills-Ratgeber » Rezension
Soft Skills für Softwareentwickler
von Sindy Heyn

Der Titel ist ein wenig irreführend, da dieses Buch nicht alle wünschenswerten Soft Skills beleuchtet. Im Mittelpunkt steht allein die Förderung der Kommunikationsfähigkeit, welche andere Soft Skills, wie rhetorische Fähigkeiten, Kritikkompetenz oder Teamfähigkeit, bedingt. Eigenschaften wie Engagement, Empathie oder Kreativität, die letztlich nur in Gesamtheit zum beruflichen Erfolg führen, werden jedoch ausgeklammert.
Eine offene und konstruktive Kommunikation ist hier das Schlüsselwort, im wahrsten Sinne des Wortes. Als „Überträger der Leistungsfähigkeit“ sollen die Soft Skills das Miteinander, sprich die
Teamfähigkeit, der IT’ler unterstützen und damit den Projekterfolg sicher-stellen. Die Anregungen sind speziell für die Kommunikationsebene zwi-schen Softwareentwicklern und Mitarbeiter ausgerichtet, da gerade den IT’lern eine gewisse Kommunikationsstarre und Eigensinnigkeit vorgeworfen wird. Ausgewählte Fragetechniken und Kommunikationsmodelle sollen hier aus der suggerierten Misere helfen. Die Anregungen und Lösungsvorschläge können jedoch auch auf andere Kommunikationsebenen eines Unter-nehmens angewandt werden.
Geschrieben wurde dieses Buch von Fachleuten mit praktischen Erfah-rungen als Führungskraft, Projektleiter und Softwareentwickler sowie als Trainer und Berater in der IT-Branche. Durch Kommunikation können Kon-flikte und Probleme früher erkannt und entsprechend gehandelt werden. Als Ursache aufkeimender Konflikte sehen die Autoren die Verteidigung des eigenen Zuständigkeitsbereichs bei „Grenzüberschreitungen“ durch andere Mitarbeiter an. Problematisch in diesem Zusammenhang ist die Unter-stellung, dass Softwareentwickler, überspitzt formuliert, grundsätzlich unkommunikativ und arrogant anderen Mitarbeitern gegenübertreten und damit Konfliktpotential besitzen. Diese Pauschalierung ist keinesfalls ge-rechtfertigt, jedoch hätte dieses Buches letztlich ohne diese Behauptung keine Daseinsberechtigung.
Das Buch gliedert sich in fünf Abschnitte, in denen mögliche Kommunika-tionsschnittstellen in Unternehmen und allgemeine Fragetechniken vor-gestellt, Kommunikationsmodelle und unterschiedliche Kommunikations-typen erläutert und abschließend Hilfestellung zum effektiven Konflikt-management gegeben werden.
Obwohl schwarzweiß ist das Buch sehr illustrativ durch diverse Abbildungen, Grafiken und Schaubilder gestaltet. Zusammenfassungen nach jedem Ab-schnitt geben dem Leser einen schnellen Überblick und die kurz gehaltenen Kapitel erleichtern ein Querlesen. Aufgrund der Fülle an Information eignet sich das Buch zudem als allgemeines Nachschlagewerk zum Thema Kom-munikation im Team.
Im ersten Abschnitt werden beispielhafte Projektstrukturen und ihre Kom-munikationsschnittstellen dargestellt. Doch werden zum Teil Gegebenheiten erläutert, die dem Leser aufgrund seiner bisher gesammelten Lebenser-fahrung bereits klar sein sollten. So ist die Feststellung, dass wir uns schneller mit Menschen verstehen, die uns ähneln, nicht wirklich über-raschend, dagegen die Äußerung „Andere hingegen scheinen uns völlig fremd zu bleiben.“, zu überspitzt. Das Buch ist aus Sicht eines Software-entwicklers geschrieben und es wird ihm ein Schubladendenken gegenüber anderen Mitarbeitern unterstellt, das so nicht verallgemeinert werden kann. Zielgruppe dieses in „Wir-Form“ geschriebenen Buches sind Entwickler, die aufgrund bestehender Vorurteile ein erhebliches Problem damit haben, „einen angemessenen Zugang“ zu Mitarbeitern anderer Fachbereiche auf-zubauen. Gehört man jedoch nicht zu dieser Gruppe von unkommunikativen Einzelgängern, wird man bei einigen Textpassagen ein Kopfschütteln oder Schmunzeln aus Unverständnis gegenüber dem Geschriebenen kaum unter-drücken können.
Einleitend werden also Kommunikationsschnittstellen zwischen den ein-zelnen Fachbereichen eines Unternehmens beleuchtet und auf die Not-wendigkeit einer Projektumfeldanalyse zur Identifizierung aller Ansprech-partner und individueller Interessen und Zielsetzungen hingewiesen. Zudem wird die Bedeutung des Projektmarketing für die Transparenz des Projekt-verlaufs und die damit verbundene Mitarbeitermotivation unterstrichen und Aspekte des Softwaremarketing näher erläutert. Neben Tipps, wie ver-stärkte Visualisierung, wenig Folien und eine abschließende Diskussion für eine geeignete Projektpräsentation, wird auch das wissenschaftlich eher fragwürdige „Prosecco-Event“ vorgestellt, ein kurzweiliges „Steh-Event“, bei dem die Mitarbeiter durch ein Glas Sekt oder Saft vom eigenen Erfolg überzeugt werden sollen.
Im zweiten Abschnitt werden Fragetechniken zur optimalen Gesprächs-führung detailliert vorgestellt und die Funktionen und Abläufe von Reviews und Feedbacks näher erläutert. Hier werden insbesondere für kritische Situationen hilfreiche Anregungen gegeben, die auch auf andere Kommu-nikationsschnittstellen angewendet werden können. Exemplarische Dialoge sind jedoch meist zu idealtypisch dargestellt und werden in der Praxis nur in abgewandelter Form stattfinden. Den in Teil III vorgestellten Kommunika-tionsmodellen werden anschließend verschiedene Kommunikationstypen zugeordnet. Dieser Teil IV ist aufgrund der witzigen Beschreibung einzelner Kommunikationstypen durch deren Lieblingssprüchen, Stärken und Schwä-chen, relativ praxisnah und flüssig zu lesen und damit nicht nur die goldene Mitte, sondern auch das Glanzstück des Buchs.
Da trotz gut durchdachter Gesprächsführung und Problemanalyse Konflikte auftreten können, werden im letzten Teil Ratschläge zum Konfliktmanage-ment gegeben. Im Anhang werden abschließend die theoretischen Grund-lagen der vorgestellten Modelle erläutert und praktische Übungen aufge-zeigt.
Das Buch ist leicht verständlich und durch diverse Illustrationen sehr an-schaulich gestaltet und sorgt somit für kurzweiliges Lesevergnügen. Beim Lesen findet man unweigerlich neben dem beobachteten Verhalten seiner Kollegen auch sich selbst in so manchen Verhaltensmustern wieder und wird dazu angeregt, sein eigenes Kommunikationsverhalten kritisch zu reflek-tieren. Zudem werden nützliche Fragetechniken und Feedbackregeln aufgezeigt, um die Kommunikation im Team zu fördern und somit den Informationsfluss zu unterstützen und Konflikte zu vermeiden. Die Übungen im Anhang sind jedoch nicht, wie angenommen, zum Üben der erlernten Kommunikationstechniken und Modellen gedacht, sondern dienen eher zum Verständnis für die Notwendigkeit solcher und der Selbsterkenntnis. Praktische Leitfäden bleiben leider aus. Die in den jeweiligen Abschnitten aufgezeigten Beispiele gehen davon aus, dass alle Gesprächspartner an einer Konfliktlösung interessiert sind und entsprechende Kommunikations-regeln befolgen, das entspricht jedoch eher einer Wunschvorstellung als dem Arbeitsalltag.
Wie eingangs erwähnt ist „Soft Skills für Softwareentwickler“, entsprechend seines Titels, speziell für Softwareentwickler geschrieben, deren Kommuni-kationsfähigkeit weniger ausgeprägt ist oder gar gänzlich zu fehlen scheint. Aufgrund der Darstellung allgemeiner Kommunikationsmodelle und Frage-techniken kann dieses Buch jedoch grundsätzlich für alle Kommunikations-schnittstellen eines Unternehmens angewandt werden. Nur kann man davon ausgehen, dass Mitarbeiter, denen ein gewisses Feingefühl im kommunika-tiven Miteinander fehlt, auch die Selbsterkenntnis über deren Fehlverhalten und vielmehr den Willen, dieses zu ändern, auch fremd sein wird.
Leseprobe
Der Verlag stellt Ihnen das Inhaltsverzeichnis, das Vorwort, das erste Ka-pitel sowie eine Übersicht zur Struktur des des Titels als PDF zur Verfügung.
Bibliographische Angaben
Uwe Vigenschow und Björn Schneider
Soft Skills für Softwareentwickler. Fragetechniken, Konfliktmanagement, Kommunikationstypen und -modelle
1. Auflage 2007
360 Seiten, 36,00 Euro
ISBN 978-3-89864-433-4
dpunkt.verlag, Heidelberg
Das Buch kann unter der ISBN 978-3-89864-433-4 im Buchhandel, bei amazon.de oder beim Verlag bestellt werden.
Termine
Hohenheim Consulting Week (Stuttgart)
bonding (Kaiserslautern)
mastermap Messe (München)
mastermap Messe (Köln)

